Die größte Herausforderung in der Versorgung älterer Menschen entsteht oft nicht im Krankenhaus und auch nicht im Altenheim, sondern genau dazwischen. Über die Herausforderungen und Lösungsansätze zum arzneimittelbezogenen Entlassmanagement in der Altenpflege referierte jetzt Ramona Dierkes, Einrichtungsleiterin des Senioren-Parks carpe diem Hellenthal, bei der Sozialpharmazie-Tagung an der Akademie für Öffentliches Gesundheitswesen in Düsseldorf.
Der Übergang aus dem Krankenhaus in eine stationäre Pflegeeinrichtung gehört zu den sensibelsten Phasen der gesamten Versorgungskette. Genau in diesem Moment treffen neue Diagnosen, veränderte Therapien, organisatorische Anforderungen und hoher Zeitdruck aufeinander. Ob Versorgung gelingt oder ob Risiken entstehen, entscheidet sich häufig genau hier.
Im Senioren-Park carpe diem Hellenthal zeigt sich die Bedeutung eines funktionierenden Entlassmanagements jeden Tag im praktischen Alltag. Viele Bewohnerinnen und Bewohner kommen direkt nach einem Krankenhausaufenthalt in die Einrichtung oder werden nach einer stationären Behandlung zurückverlegt. Hinter jeder einzelnen Aufnahme steckt ein komplexer organisatorischer Prozess, der weit über die eigentliche pflegerische Versorgung hinausgeht. Bereits vor der Aufnahme müssen medizinische Unterlagen angefordert, Medikationspläne geprüft, die ärztliche Versorgung organisiert und die Zusammenarbeit mit Apotheken abgestimmt werden. Gleichzeitig laufen Gespräche mit Angehörigen und Vorbereitungen für die Aufnahme im Hintergrund weiter.
Dabei arbeiten Pflegeeinrichtungen unter besonderen Rahmenbedingungen. Anders als Krankenhäuser verfügen sie weder über Ärzte im Haus noch über eine eigene Akutversorgung oder frei verfügbare Medikamentenvorräte. Pflegeeinrichtungen sind vollständig auf externe Hausärzte, Apotheken und vor allem auf vollständige Informationen aus den Krankenhäusern angewiesen. Fehlen Unterlagen oder Rezepte oder ist kein behandelnder Arzt erreichbar, entstehen schnell Versorgungslücken. Besonders kritisch werden Entlassungen kurz vor Wochenenden oder Feiertagen, wenn notwendige Abstimmungen kaum noch möglich sind.
Gerade im Bereich der Arzneimittelversorgung wird deutlich, wie empfindlich diese Übergänge sind. Viele Bewohnerinnen und Bewohner erhalten bereits zahlreiche Medikamente. Nach einem Krankenhausaufenthalt kommen häufig Therapieänderungen, neue Diagnosen oder zusätzliche Verordnungen hinzu. Dadurch steigt die medizinische Komplexität erheblich. Die Pflege trägt zwar die Verantwortung für die sichere Durchführung der Therapie, besitzt jedoch keine Entscheidungsbefugnis über Verordnungen oder Änderungen der Medikation. Dieses Spannungsfeld wird im Alltag häufig unterschätzt.
Die gute Nachricht: Sichere Übergänge können gelingen.
Wenn Krankenhäuser frühzeitig informieren, vollständige Medikationspläne bereitstellen und Rezepte rechtzeitig vorbereitet werden, entsteht deutlich mehr Sicherheit für alle Beteiligten. Werden zusätzlich Apotheken frühzeitig eingebunden und Verantwortlichkeiten klar abgestimmt, können Bewohnerinnen und Bewohner nahtlos versorgt werden. Das entlastet nicht nur die Teams, sondern erhöht vor allem die Patientensicherheit.
Entlassmanagement ist also weit mehr als ein organisatorischer Vorgang. Es ist ein zentraler Bestandteil von Patientensicherheit. Pflegeeinrichtungen leisten hier täglich einen enormen Beitrag unter oftmals schwierigen Bedingungen. Damit Versorgung wirklich sicher funktioniert, braucht es ein gemeinsames Verständnis aller Beteiligten entlang der Versorgungskette. Denn am Ende geht es nicht um Zuständigkeiten, sondern um die Sicherheit und Lebensqualität der anvertrauten Menschen.
